Zweites Netzwerktreffen zur Vorbereitung der Inklusionskonferenz des Landkreises Göttingen im Juni 2026

Das zweite Netzwerktreffen zur Vorbereitung der Inklusionskonferenz am 10. Juni hat der Landkreis Göttingen im Bürgerhaus Bovenden ausgerichtet, unterstützt von der Geschäftsstelle „Inklusion bewegen“, die sich seit Sommer 2025 im Inklusiven Campus Duderstadt der Caritas Südniedersachen befindet. Beim Auftakt im Februar waren Menschen mit Beeinträchtigungen und Angehörige im Jugendgästehaus in Duderstadt zusammengekommen und hatten in Workshops ihre Wünsche und Ziele für die Zukunft erarbeitet, diesmal waren Fachkräfte am Zug – aus Einrichtungen und Beratungsstellen, Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung sowie weitere Akteure aus Initiativen, Organisationen und Projekten, die sich mit Inklusion und Teilhabe im Landkreis Göttingen beschäftigen. In ihrem dreistündigen Treffen sind viele Ideen auf den Tisch gekommen.
Das Thema Inklusion sei wichtig, betonte Bovendens Erster Gemeinderat Florian Petrow bei der Begrüßung der rund 70 Gäste. Die Leiterin des Referats Demografie und Sozialplanung Regina Meyer freute sich über den großen Zuspruch. Nach Corona sei die Arbeit für Menschen mit Beeinträchtigungen „nicht so wirklich wieder auf die Beine gekommen“. Von der Inklusionskonferenz und der Vorarbeit dazu hofft sie nun auf neue Schubkraft.
In sechs Bereiche – Mobilität und Arbeit, Gesundheit/Pflege/Wohnen und Freizeit/Sport/Kultur, Medien und Digitalisierung sowie Bildung und Erziehung – waren die Themen aufgeteilt, in drei Workshops wurden sie bearbeitet. Auf der Inklusionskonferenz im Juni sollen zwei davon näher beleuchtet werden, um Handlungsempfehlungen zu entwickeln.
Die Moderation für die Themenbereiche Mobilität und Arbeit hat Dr. Michael Glatthaar vom Büro proloco für Stadt- und Regionalentwicklung übernommen. Während in Bussen weitgehend Barrierefreiheit herrsche, blieben in der Bahn Wünsche offen, referierte er in der Abschlussrunde die Ergebnisse aus der Gruppe. Um mobil zu sein, sei es für Menschen mit Beeinträchtigungen wichtig, über ihre Wege gut Bescheid zu wissen. Dementsprechend wünschten die Fachkräfte sich, in die Planung von Baustellen einbezogen zu werden.
Diskutiert wurde außerdem die Möglichkeit, die Zahl der Arbeitsplätze in den Göttinger Werkstätten zu reduzieren. Alternativ könnten Menschen mit Beeinträchtigungen in Gruppenarbeitsplätzen beschäftigt werden.
In der Runde zu Gesundheit/Pflege/Wohnen mit der Inklusionskoordinatorin des Landkreises, Eva-Maria Martin, wiesen die Diskutierenden auf die oft schwierige Kommunikation mit den Krankenkassen hin. Hier ist es ein Ziel, Eltern mit Informationen zu unterstützen, wo und wie sie Hilfeleistungen beantragen können. Auch für Schulen und Kindergärten wurden Informationsveranstaltungen zu diesem Thema angeregt. Darüber hinaus brauche es besondere Wohnformen für junge Menschen mit Beeinträchtigungen, hieß es in der Gruppe weiter.
Für den Bereich Sport kristallisierte sich heraus, dass Sportförderprogramme oft nicht mehr seien als ein Tropfen auf den heißen Stein. Wichtig sei es, Berührungsängste abzubauen. Das gelte auch für Kulturveranstaltungen. Hier war die Frage, was nötig sei, um Menschen mit Beeinträchtigungen den Weg zu kulturellen Veranstaltungen zu erleichtern.
In Sachen Digitalisierung fasste Margitta Kolle aus dem Referat Demografie und Sozialplanung die Ergebnisse des Workshops zusammen. Oft fehle es hier an Kompetenz. So seien niedrigschwellige Hilfsangebote wichtig, um neue technische Geräte für viele Nutzer einzuführen. Mit einem Appell zum „Mutausbruch“ animierte Kolle die Menschen dazu, Neues einfach auszuprobieren. „Ist Schulbegleitung inklusiv oder exklusiv?“ fragte die Gruppe provokativ und mahnte zu lange Bewilligungszeiträume für derartige Unterstützung an.
Nach drei Stunden war die Workshop-Arbeit getan. Auf dem Weg nach draußen konnten die Teilnehmenden ihr Votum für zwei Themenbereiche abgeben. Schnell zeichnete sich ab: Die Bereiche Bildung/Erziehung und Arbeit könnten ein Schwergewicht bekommen.
Die Inklusionskonferenz 2026 ist angesetzt am Mittwoch, 10. Juni 2026, von 10 bis 15 Uhr im Historischen Rathaus in Duderstadt. Eine Anmeldung ist erwünscht.
Gefördert durch die Aktion Mensch wird am Mittwoch, 6. Mai 2026, in Duderstadt ein Protesttag für Toleranz, Akzeptanz und Barrierefreiheit ausgerichtet. In diesem Rahmen startet um 15.30 Uhr ein Protestmarsch vom ZOB Duderstadt zum Rathaus. Zwischen Rathaus und Oberkirche gibt es anschließend einen Markt der Möglichkeiten mit Informationen und sozialpolitischen Redebeiträgen.
Ute Lawrenz