Große Beteiligung an der Inklusionskonferenz in Duderstadt

Das Foto zeigt einen Saal, die Menschen sitzen in Stuhlreihen.
Inklusion bewegen – die Inklusionskonferenz kam für den Landkreis Göttingen im Historischen Rathaus Duderstadt zusammen.

Rund 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich zur Inklusionskonferenz 2026 des Landkreises Göttingen angemeldet, die im historischen Rathaus in Duderstadt tagte. 30 weitere standen noch auf der Warteliste. Das Interesse an Austausch, Vernetzung und Weiterentwicklung der Inklusion im Landkreis ist also groß. Dieses Mal sollten vor allem die Themen Arbeit, Bildung und Erziehung im Fokus stehen. Die Inklusionskonferenz wurde von der Initative „Inklusion bewegen“ des Landkreises Göttingen in enger Kooperation mit dem Caritasverband Südniedersachsen e.V. veranstaltet. Gastgeber war die Stadt Duderstadt.

Nach einer musikalischen Eröffnung durch den MitMachChor des Inklusiven Campus der Caritas und einer Begrüßung der Teilnehmenden durch Eva-Maria Martin, Inklusionskoordinatorin des Landkreises Göttingen, trafen sich Kreisdezernent Conrad Finger, Regina Meyer, Leitung Referat Demografie und Sozialplanung Landkreis Göttingen, und Duderstadts Bürgermeister Thorsten Feike auf dem Podium. Die Moderation übernahm Michael Glatthaar, Referat Nachhaltige Regionalentwicklung des Landkreises Göttingen. Die drei Befragten gaben kurze Statements zu den bisherigen Entwicklungen der Inklusion in ihren jeweiligen Verantwortungsbereichen. Im Rahmen der Konferenz stehe nun der Wunsch nach neuen Ideen, Austausch und stabilen Netzwerken im Vordergrund, fassten die drei Podiumsgäste zusammen.

Das Foto zeigt eine Podiumsdiskussion aus Sicht des Publikums.
Eine Gesprächsrunde erörterte die Arbeit der unterschiedlichen Initiativen und Gremien.

In einer zweiten Runde erörterten Ilka Conrad, Behindertenbeauftragte der Stadt Duderstadt, Schwester Dorothea Rumpf, Leiterin der Vinzenz von Paul Fachschule für Sozialpädagogik und Mitbegründerin des Bündnisses Inklusion Duderstadt, Christian Wiese, Vorsitzender des Behindertenbeirats Bad Grund / Osterode und sein Stellvertreter Uwe Weiß die Arbeit der unterschiedlichen Initiativen und Gremien. Dabei wurde unter anderem verdeutlicht, dass Ehrenamt und Engagement durchaus sinnstiftend und lebensbereichernd sein können, aber auch anstrengend und kräftezehrend. Umso wichtiger seien Netzwerke und gegenseitige Unterstützung von Verbänden, Vereinen und Verwaltungen.

Ergebnisse bisheriger Netzwerktreffen fließen ein

Es folgten Rückblicke und Analysen der vorangegangenen Netzwerktreffen: Im Februar 2026 kamen Betroffene und Angehörige im Duderstädter Jugendgästehaus zum Austausch zusammen. Anschließend gab es im März 2026 für Betroffene und deren Angehörige, die Gelegenheit sich in einer Onlineveranstaltung auszutauschen. Im April 2026 konnten sich Fachkräfte und Initiativen in Bovenden vernetzen und über Inklusion diskutieren.

Die Ergebnisse dieser Treffen und der damit verbundenen Online-Umfrage stellten Lara Blase, Sozialarbeiterin des Landkreises Göttingen, und Michael Glatthaar vor. Ein Großteil der Befragten waren Menschen mit Behinderung und Angehörige, aber auch Haupt- und Ehrenamtliche verschiedener Institutionen oder allgemein Interessierte hatten teilgenommen.

Alle Teilnehmenden der Netzwerktreffen konnten am Ende der Veranstaltungen für zwei Themen abstimmen, die in der Konferenz tiefergehend bearbeitet werden sollten. Dabei entschieden sich die meisten Teilnehmenden für die Themen Arbeit, Bildung und Erziehung. Die Ergebnisse aller auf den Netzwerktreffen bearbeiteten Themen wurden kurz zusammengefasst:

Mobilität

Im Landkreis Göttingen punkteten barrierefreie Haltestellen und hilfsbereite Busfahrer, bemängelt wurden jedoch schlechte Busverbindungen und Hindernisse wie fest installierte Abfallbehälter im Einsteigebereich. Michael Glatthaar verwies dabei auf den Mängelmelder der ÖPNV, damit die Verantwortlichen entsprechend reagieren könnten. „Wir müssen das Thema neu denken, und auch die Winterdienste müssten besser geschult werden“, erläuterte er. Denn Schneeberge am Straßenrand oder Rollsplitt auf den Wegen seien zwar zeitlich begrenzte, aber dennoch gefährliche Hindernisse für Behinderte.

Medien/Digitalisierung

Es wurde zwar gelobt, dass Barrierefreiheit zunehmend mitgedacht würde, allerdings fehle es beispielsweise noch an digitalen Hilfen. Auch in der Presse sei das Bewusstsein für inklusive Themen zu gering. Mehr Unterstützungsangebote bei Behördenterminen, beispielsweise Dolmetscher und leichte Sprache, digitale Barrierefreiheit und echte Beteiligung bei Entscheidungen wurden als Verbesserungen vorgeschlagen.

Gesundheit/Pflege und Wohnen

Öffentliche Gebäude seien inzwischen überwiegend barrierefrei für gehbehinderte Menschen, allerdings würden Hör- und Seheingeschränkte dabei zu wenig berücksichtigt werden. Zudem fehle es an barrierefreien und bezahlbaren Wohnungen. Kritik gab es auch an den Krankenkassen, die notwendige Hilfsmittel zu spät oder gar nicht zahlen würden, und an den Kommunikationsstrukturen.

Freizeit, Sport und Kultur

Inklusive Kultur- und Sportangebote würden von den Vereinen und Veranstaltern zunehmend ermöglicht werden, allerdings mangele es zum Teil noch an baulicher Barrierefreiheit, Behinderten-WCs und leicht zugänglichen Informationen zu barrierefreien Angeboten. Zudem sei die Erreichbarkeit von Kultur- und Sportstätten mit dem ÖPNV in den Abendstunden problematisch.

Arbeit

Offenheit von Arbeitgebern sowie viele Beratungs- und Unterstützungsangebote wurden positiv wahrgenommen. Allerdings gebe es noch zu wenig inklusive Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Und auch bei den Berufsmessen wünschten sich die Befragten eine inklusivere Gestaltung.

Bildung und Erziehung

Es fehlten noch teilräumliche inklusive Plätze in Kita und Schule. Zudem verlaufe der Übergang von Kita und Schule oftmals holprig. Dennoch seien der Austausch zwischen Kita, Eltern und Fachkräften sowie die individuelle Betrachtung der Kindesentwicklung gut. Bemängelt wurden aber lange Bearbeitungszeiträume für Anträge, und Sachbearbeitende wurden als wenig kompetent wahrgenommen. Wünschenswert sei ein flexibles Bildungssystem von Frühförderung über Kita und Schule, besser abgestimmte Übergänge und durchgängige Unterstützung.

Die Themen Arbeit, Bildung und Erziehung wurden anschließend in Workshops tiefgründiger erarbeitet. Ideen und Anregungen wurden zusammengestellt, um Menschen mit Behinderung quasi von der Kita bis ins Berufsleben besser zu unterstützen, wahrzunehmen und Teilhabe deutlich zu erleichtern. Diese in Kleingruppen auf Plakaten erarbeiteten Themen sollen ausgewertet und die Ergebnisse zur Verfügung gestellt werden.

Viel Arbeit für den Landkreis

Das Foto zeigt vier Menschen, eine Frau hält ein Mikrofon in der Hand und spricht dortrein.
Inklusion bewegen – die Inklusionskonferenz – auf dem Foto von links: Conrad Finger, Regina Meyer und Thorsten Feike mit Moderator Michael Glatthaar.

Regina Meyer betonte am Ende der Konferenz, dass es nun viel Arbeit für den Landkreis gibt, um die erarbeiteten Handlungsempfehlungen im darauf aufbauenden Inklusionsbericht nicht nur ein Stück Papier sein zu lassen, sondern umzusetzen, was möglich ist. Angekündigt wurden weitere Veranstaltungen, die das bei der Inklusionskonferenz zusammengekommene Netzwerk stärken und Inklusion im Landkreis Göttingen weiter voranbringen sollen.

Die Stadt Duderstadt hat sich bereits seit vielen Jahren für mehr Inklusion stark gemacht. Bürgermeister Thorsten Feike betonte dabei auch die Bedeutung des dort ansässigen Orthopädietechnikunternehmens Ottobock, dessen Kunden im Stadtbild alltäglich sichtbar seien und man sich vielerorts auf die Bedürfnisse von behinderten Menschen einstelle. Neu ist das Freizeitangebot einer inklusiven Stadtführung für Blinde und Seheingeschränkte. Im Anschluss an die Konferenz bot Stadtführer Claus Ludwikowski diese neue Führung an, wo beispielsweise über kleine Modelle der Stadtplan ertastet werden konnte.

Für den Landkreis Göttingen zeigte sich Kreisdezernent Conrad Finger zufrieden mit dem bereits Erreichten auf dem Weg zur Inklusion, jedoch merkte er auch an: „Wir müssen selbstkritisch bleiben, denn im internationalen Vergleich ist da noch deutlich Luft nach oben.“

Text: Claudia Nachtwey
Fotos: Niklas Richter